Das Schiff liegt im Hafen, aber der Empfänger erhält die Ware nicht ausgehändigt

container 89Ein deutsches Industrieunternehmen erhält regelmäßige Lieferungen von seiner Tochterfirma per Seefracht. Dieses Mal allerdings liegen kurz vor Schiffsankunft in Hamburg noch keine Original Dokumente in Form von Konnossementen (Bill of Lading, B/L) vor. Ohne Originale kann aber die Ware nicht freigestellt und somit dem Empfänger ausgehändigt werden. Es drohen hohe Kosten für Lagerzeit im Hafen, von dem möglichen Bandstillstand mal ganz abgesehen….      Was kann getan werden??

Das Problem liegt beim Konnossement, dem Frachtbrief in der Seefracht. Es ist nicht nur die Beweisunterlage für den Frachtvertrag zwischen dem Befrachter und dem Verlader (Exporteur), sondern es ist darüber hinaus ein Traditionspapier. Das heißt, es  vertritt in sich die beschriebenen Güter, sodass die Übergabe eines Konnossementes der körperlichen Übergabe der Ware gleich steht.
In der Regel besteht ein Satz Konnossemente (full set) aus Originalen (i.A. 3) und Kopien, die Anzahl bestimmt der Absender. Insbesondere als Zahlungs- und Lieferungssicherung im Außenhandel , speziell im Bank-(Akkreditiv-)Verkehr, wird der komplette Satz Originalkonnossemente benötigt. Eine Rückgabe der Güter an den Verlader oder eine anderweitige Verfügung über die Sendung vor Erreichung des Löschhafens ist nur gegen den kompletten Satz möglich, die Aushändigung der Sendung im Löschhafen nur bei Vorlage zumindest eines Originalkonnossements. Und genau dieses fehlt im vorliegenden Fall dem deutschen Industrieunternehmen, denn seine Tochterfirma hat die Originale noch nicht an ihn versendet. Und nun?  Die Lösung!

Um Kosten zu vermeiden und die Sendung ohne Verzögerung zu erhalten bleibt nur die Lösung durch das sog. „telex release“. Hierbei wird das bereits ausgestellte Konnossement (full set), im Exportland beim Verfrachter wieder eingereicht. Nach Einzug des vollen Satzes der Originale - die Originale werden dann  „surrendered“ gestempelt-  kann dieser die Sendung für den Empfänger beim Verfrachter im Importland freistellen

Um diesen Aufwand künftig zu vermeiden, plant man es künftig besser zu machen.
Hier hilft der sog. Schiffsfrachtbrief oder auch „Express B/L“ oder „Seawaybill“ genannt. Er ist kein Konnossement im technischen Sinne und vor allem aber kein Traditionspapier. Das bedeutet, dass die Sendung auch ohne Vorliegen des Transportpapiers an den berechtigten Empfänger im Löschhafen ausgeliefert werden kann. Damit können die aufgetretenen Probleme vermieden werden.
Allerdings:
Ein Express B/L ist nur zu empfehlen wenn:
- es sich um ein Fahrtgebiet mit kurzen Laufzeiten handelt
- der Auftraggeber kein Original-B/L benötigt, weil
    -  Der Empfänger ein Tochterunternehmen oder ein langjähriger Partner ist
    -  keine dokumentäre Abwicklung aufgrund der Zahlungsbedingung notwendig ist (z.B. bei Vorkasse)
- KEIN Original B/L gemäß Ländervorschriften verlangt wird
- Der Verschiffungsspediteur einen Agenten im Empfangsland hat, der das Express B/L auslösen kann
Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind lassen sich so Kurierkosten einsparen und man vereinfacht das Dokumenten-Handling!
Zum Glück konnte ein Bandstillstand auf Grund des Telex Releases verhindert werden – zukünftig ist man schlauer – schließlich handelt es sich um ein Tochterunternehmen und man wird Express B/L nutzen

Quelle: Kühne + Nagel (AG & Co.) KG, internationaler Logistikdienstleister
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